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In der Mittagssession des dritten Tags des German Masters standen die Achtelfinalbegegnungen zwischen Ronnie O'Sullivan und Joe Perry, Matthew Stevens gegen Neil Robertson, Mark Selby gegen Graeme Dott und Mark Williams gegen Stuart Bingham auf dem Plan. Das Tempodrom war zwar noch nicht komplett ausverkauft, aber die Fans brachten eine herrliche Stimmung mit in den Saal.
Ronnie O'Sullivan vs Joe Perry
Die meisten Gesprächsfetzen, die man so aufschnappen konnte handelten von dem beeindruckenden Comeback, dass Ronnie O'Sullivan gestern in seinem Match gegen Andrew Higginson geschafft hatte. Dort hatte er nämlich einen 0:4 Rückstand mit Kampfgeist und unter der Anfeuerung des Publikums noch in einen 5:4 Sieg gedreht. So spekulierten einige Zuschauer, ob es der Ronnie denn heute wieder so spannend machen würde? Um die Antwort vorweg zu nehmen: Nein, er machte es gar nicht spannend und entschädigte seine spannungs gebeutelten Fans für die Zitterpartie gestern mit einem klaren 5:1 Sieg über Joe Perry. Schon im ersten Frame machte er klar, dass man mit ihm eben immer noch eine Wundertüte am Tisch hat. War es gestern noch so gewesen, dass er leichte Bälle verschoss, hohe Breaks nicht kommen wollten und sein Safetiespiel geradezu unterirdisch war, dauerten schon im ersten Frame die von beiden Akteuren superb gespielte Eröffnungssafeties eine kleine Ewigkeit.Und auch die hohen Breaks hatte Ronnie heute wieder im Gepäck, denn gleich zum Einstieg des Matches spielte er ein schönes, flüssiges Centurie von 110 Punkten. Auch sonst war ihm deutlich anzumerken, dass er gute Laune dabei hatte, denn der sonst so ernste O'Sullivan, der weniger für seinen Witz bekannt ist, erlaubte sich einen Scherz und zeigte mit dem Finger genau die Stelle auf dem Tisch an, auf die er die Schwarze spielen wollte. Und die Schwarze tat brav das, was Ronnie ihr befahl und rollte anstandslos genau auf den Platz, auf dem Momente vorher noch O'Sullivans Finger geruht hatte. Auch war er in diesem Match nicht auf Chancen angewiesen, die durch Fehler von Perry entstanden, er erarbeitete sie sich selbst. Mit einer Longpotquote von 74% brauchte er in diesem Match keine Angst vor langen Bällen haben. Die zeigte er auch reichlich. Genau wie überlegtes, ruhiges Breakbuilding und vor allem eine Sache, die er gestern nicht mit hatte: Spaß am Spiel. Der verging Joe Perry sicherlich schnell, denn für ihn lief heute nichts. Man kann ihm nur wenig vorwerfen, vielleicht die eine oder andere zu schwache Safetie, oder den einen oder anderen verschossenen Ball. Doch viel mehr hat Joe nicht falsch gemacht. Er hatte einfach das Unglück, auf die geniale Seite der Ronnie O'Sullivan Wundertüte zu treffen. Und gegen einen Ronnie mit dieser Spiellaune ist kein Kraut gewachsen.Ronnie zeigte in diesem Match Breaks von (unter anderem) 74, 69 und 123 Punkten und das Match dauerte nicht einmal 1,5 Stunden. Wenn man bedenkt, dass er gestern in seinem Match gegen Andrew Higginson erst als Vorletzter der Matches fertig wurde, so fragt man sich manchmal doch, ob es nicht vielleicht zwei Ronnie O'Sullivans gibt. Warten wir ab, welcher der beiden Ronnies heute abend gegen Matthew Stevens am Tisch auftaucht.
Mark Selby vs Graeme Dott
Weniger fluent ging es im Match zwischen Mark Selby und Graeme Dott zu. Die Neuauflage des letztjährigen Halbfinals war mehr vom Kampf der beiden Acteure gegeneinander geprägt. Ging der erste Frame nach zähem Ringen an Mark Selby, so holte sich den Zweiten Graeme Dott, obwohl Selby von den Punkten her schon geführt hatte. Die nächsten beiden Frames gingen dann wieder an Selby, doch die beiden Frames nach dem MSI holte sich Graeme Dott. Bei Dott wies die Sauberkeit im Lochspiel heute streckenweise große Lücken auf, so dass es letztendlich nicht verwunderlich ist, dass der Sieger der Partie derselbe war, wie beim Halbfinale letztes Jahr: Mark Selby gewann das Match mit 5:3 und wird in der nächsten Runde gegen Shaun Murphy antreten.
Matthew Stevens vs Neil Robertson
Das Match zwischen Matthew Stevens und Neil Robertson war ein Alptraum... Zumindest wird Neil Robertson es so empfunden haben, denn er tat vor allem eins: Auf seinem Stuhl sitzen und Matthew Stevens dabei zugucken, wie er jede Chance nutzte, stark und präzise die Bälle lochte und den Mastersgewinner 2012 zum Statisten degradierte. Wenn Neil Robertson denn mal an den Tisch durfte, klappte rein gar nichts. Der sonst für sein stabiles Lochspiel und seine sicheren Longpots bekannte Australier verschoss, was zu verschießen ging. So lutete das Ergebnis dieser Partie auch klar und deutlich 5:1 für Matthew Stevens. Der Waliser trifft nun auf Ronnie O'Sullivan.
Mark Williams vs Stuart Bingham
Das Match zwischen Stuart Bingham und dem Titelverteidiger Makr Williams war ein ein Wechsel zwischen zähem Ringen und klaren Breaks. Der erste Frame wurde durch mehrere kleine Breaks entschieden und hier hatte Williams das bessere Ende. Im zweiten Frame zauberte er dann ein 92 Punkte Break auf den Tisch und ein Lächeln auf die Gesichter seiner Fans, ging mit 2:0 in Führung. Doch Bingham steckte nicht den Kopf in den Sand und machte in Frame drei mit einem Break von 84 Punkten deutlich, dass er auch noch mitspielen wollte. Der letzte Frame vor dem MSI war wieder ein Kampf-Frame und einmal mehr hatte Williams die Nase vorn, so dass er mit einer beruhigenden 3:1 Führung in die Matchpause ging. Auch im ersten Frame nach dem MSI gab er das Tempo an, legte 52 Punkte vor. Wenn er erst einmal in den Bällen war, war er kaum aufzuhalten und holte sich auch diesen Frame. Bei einbem Spieltstand von 1:4 gegen sich fällt manchem Spieler nicht mehr so viel ein, doch Stuart Bingham hatte die beste Idee. Er spielte ein Break von 95 Punkten und rettete sich so mit 2:4 in den nächsten Frame. Der letzte Frame dieser Begegnung sah dann ähnlich aus, wie schon zuvor einige Frames dieser Begegnung: Williams legte 68 Punkte vor, verstellte sich und versuchte Rot als Double. Die fiel nicht und Bingham konnte sich einige Punkte holen. Doch er brauchte schon Snooker und obwohl er es schaffte, Williams zumindest in ein Foul zu treiben, gelang es dann doch dem Titelverteidiger, sich mit dem Lochen der Farben das Match zu sichern. Mark Williams gewann mit 5:2 und trifft nun auf Stephen Lee. |